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Die Verleihung der Seulenmedallie


Verleihung der Seulenmedallie in Gold
für das Notarztteam und Freiwillige Feuerwehr

Anzeige des Stadt-Spiegel vom 25.03.2004 (Verleihung am 18.03.2004)

Gold für mutige Lebensretter


Tönisvorst (tol). Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Tönisvorst ist die Seulenmedaille in Gold verliehen worden. Das Notarztsystem und die Freiwillige Feuerwehr sind die Preisträger.

 

Die Arbeit der Lebensretter verdient eine Anerkennung, „die über das normale Maß hinaus geht“, sagte Bürgermeister Albert Schwarz in seiner Laudatio und brachte damit das Empfinden der Bürger auf den Punkt. Das Notarztdienst-Team und die Feuerwehrleute sind bei so manch brenzligem Einsatz sogar bereit, ihr Leben zu geben, um andere Menschen zu retten. Dies war einer der Hauptaspekte für die Stadt, die Preisträger mit der höchsten Auszeichnung zu ehren.
Notarztsprecher Dr. Theo Schoelen betonte: „Es ist sehr wichtig, dass die Tönisvorster Bürger hinter uns stehen.“

„Ich glaube, wir sind uns alle der Tatsache bewusst, dass die Perspektive für manch ein Brandopfer oder Unfallpatienten anders aussehen würde, wenn sie nicht da wären", sagte Bürgermeister Albert Schwarz bei der Verleihung der Seulenmedaille an die Freiwillige Feuerwehr und den Notarztdienst der Stadt Tönisvorst im Ratssaal.
Ihre Arbeit verdiene, so der erste Bürger der Stadt, eine besondere Anerkennung, die über das normale Maß hinausgehe. Denn sowohl die Feuerwehr als auch Mitglieder des Notarztdienstes würden für diese Tätigkeit nicht nur ihre Freizeit opfern. „Sie setzen selber dabei oft ihr Leben aufs Spiel", so Bürgermeister Schwarz. Und nicht der Profitgedanke sei Motor ihres Engagements. Aus diesem Grund hat die Stadt sie auch mit einer seltenen Auszeichnung versehen, nämlich der Seulenmedaille in Gold. Es ist das erste Mal, das eine solche Auszeichnung in Gold vergeben worden ist.

 

Allein im vergangenen Jahr mussten die beiden Tönisvorster Löschzüge zu 156 Einsätzen ausrücken. Über 15.000 Stunden waren die insgesamt 158 Wehrangehörigen für ihre Mitmenschen im Einsatz. Dabei eigneten sie sich bei zahlreichen Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen wichtiges praktisches wie theoretisches Wissen an. Zudem engagierten sie sich im kulturellen und sozialen Bereich, stützten sie das Brauchtum bei Karnevals- und Martinumzügen oder hiesigen Schützenfesten. Auf Ihre Initiative hin wurde am gesamten Niederrhein für bedürftige und kranke Kinder in Rumänien gesammelt. Über 45 Tonnen kamen dabei zusammen, die nach Rumänien transportiert und dort zielgerecht verteilt werden konnten.
Durch den auf private Initiative hin eingerichteten Notarztdienst kommen die Tönisvorster in den Genuss einer ortsansässigen notärztlichen Versorgung. Eigentlich wären sie an die Rettungswache Kempen angeschlossen. Allein im vergangenen Jahr waren die 20 Fahrer – alles ausgebildete Rettungsassistenten – und die rund 20 speziell weitergebildeten Notärzte 900 Mal im Einsatz. Zunehmend auch im Umkreis werden Sie von der Leitstelle auch zu Notfällen in Schicksbaum, Fortswald, Willich, Kempen und sogar Viersen gerufen.

 

 

 

Zur Geschichte :

Stadt Tönisvorst

Die Seulenmedaille

 

Die Medaille wird von der Stadt Tönisvorst an verdiente Bürgerinnen und Bürger verliehen und ist im Handel nicht erhältlich. Sie ist in 999 Feinsilber und 999 Feinsilber vergoldet in limitierter Auflage Hergestellt. Ihr Durchmesser beträgt 35 Millimeter, das Gewicht liegt bei rund 15 Gramm.


Fast jeder kennt die Seulenstraße in Vorst. Was kaum einer weiß: Schon vor der kommunalen Neugliederung von 1970 wurden Vorst und St.Tönis gemeinsam verwaltet. Von 1823 bis 1851 und später nochmals von 1863 bis 1865 führte Bürgermeister Gerhard Seulen, Major a.D. (1796-1865) gleichermaßen die Geschicke von Vorst und St.Tönis vom Koitzhof (Seulenhof) in der Huverheide aus. Durchgehend stand er von 1823 bis 1865 der Gemeinde St.Tönis vor. Auch wenn Gerhard Seulen zugleich Kreisdeputierter des Kreises Kempen und Abgeordneter des Allgemeinen Landtages in Berlin war: Das Bürgermeisteramt galt als sein "Lieblingsacker".Gerne bezeichnete man ihn als "Schrecken der Übeltäter". Seulen war Bürgermeister zu einer Zeit, als das Schwunrad der Industrialisierung ans Laufen kam. Damals gehörte der linke Niederrhein zu Preußen. Zweidrittel der Bevölkerung arbeiteten als Seidenweber im nahen Krefeld. Bürgermeister Gerhard Seulen sollmit großer Umsicht und einem wachen Auge auf das allgemeine Wohl gewirkt haben. Als es Mitte des 19 Jahrhunderts zu einer Krise in der Textilwirtschaft aufgrund von Mechanisierung und Absatzproblemen kam, geriet St.Tönis in eine Notlage. In dieser Zeit fällt die Gründung eines Unterstützungsvereins, um "die arbeitende Klasse vor Arbeits- und Brotlosigkeit zu bewahren!". Man gab allen Arbeitslosen durch die Fertigstellung von "Wasser- und Wegebauten" die Gelegenheit, sich Geld zu verdienen. Bezahlt wurden die "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" aus öffentlichen Mittel.

Die Familie Seulen blieb beiden Orten erhalten, übernahmen doch die beiden Söhne Jacob und Franz die jeweilige Stelle des Bürgermeisters in St.Tönis und Vorst. Heute erinnert ein Gedenkstein auf dem Seulenhof an das Wirken des Bürgermeisters Gerhard Seulen. Und das Denkmal an der Hückelsmay. Denn das soll vor allem auf seine Initiative hin errichtet worden sein.

 

Franz Seulen, am 30.Januar 1831 in Vorst geboren, übernahm 1866 das Bürgermeisteramt in Vorst. Zuvor war der 35-jährige Sohn des Gutbesitzers Gerhard Seulen recht weit gereist. In Kempen und Emmerich hatte er das Gymnasium besucht. Anschließend zog es ihn nach Münster. Hier besuchte Franz Seulen die königliche Akademie. Nachdem er ein Jahr lang Freiwilliger bei der 4.Kompanie des 28.Infanterie-Regiments in Aachen war, absolvierte er sein Examen und ließ sich nach seiner Vereidigung in Xanten nieder, wo er mit an der Grundsteuerregelung im Kreis Kleve arbeitete. Später war er als sogenannter Supernumerar bei der königlichen Kataster-Inspektion zu Düsseldorf beschäftigt, bis er als kommissarischer Bürgermeister am 31.Januar 1866 nach Vorst berufen wurde. 36 Jahre lang, bis 1903, stand er an der Spitze der Gemeinde.

Als er in Vorst zum Bürgermeister ernannt wurde, wohnten hier rund 5000 Vorster in insgesamt 929 Familien. Zwei Seidenfabriken und 1200 Webstühle waren im Ort angesiedelt. Darüber hinaus gab es 32 Wirte, 68 Kleinhändler, neun Brauereien und je eine Dampf- und Windmühle. In die Zeit von Franz Seulen fiel der Anschluss an die Eisenbahn, verfügte Vorst ab 1871 über einen eigenen Bahnhof an der Strecke von Süchteln über Vorstund St.Tönis nach Krefeld. Im Oktober 1903 wurde er mit einer großen Abschlussfeier verabschiedet.

 

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